Newtons Kater
In der Sekunde, in der Newton den Apfel fallen sah, veränderte er das Denken. Die Sonne rückte in den Mittelpunkt, die göttliche Erde wurde weltlichen Regeln unterworfen.
Ein Phänomen ist der fallende Apfel immer geblieben. Warum Massen sich anziehen verstehen nicht einmal Physiker wirklich und trotzdem ist es allen klar. Ein ähnliches Phänomen ist der Kater – nicht der vierpfotige, sondern der morgendliche. Allen ist klar, dass übermäßige Zufuhr diverser Fuselstoffe zu morgendlichem Kopfplatzen führt. Dieses Phänomen schockt niemanden mehr.
Schockierender ist das Ausbleiben derselben. Geringfügige Übelkeit und Appetitlosigkeit waren die einzigen Symptome nach einem Wochenende voll mit Sambuca, Jägermeister und Tequila. Vielleicht lag es an der übermäßig großen Zufuhr von Sauerstoff – beim nächtlichen Zettel aufhängen, dem nachmittäglichen Suchen, und dem mittäglichen Abhängen derselben.
Möglicherweise lag es auch an der geringen Fuselstoffzufuhr die beiden Abende zuvor und den großen Wassermassen, die ich zwischenzeitlich zu mir genommen habe. Meine physikalische Denke – an dieser Stelle möchte ich mich bei Herr Schröder und Nicki für meine großartige, physikalische Weltanschauung bedanken – lässt mich das Problem in Formeln fassen:
Anteil Wasser w
Anteil Fuselstoffe f
Anteil Sauerstoff H²O
Über die Tage t
Macht den Kater K
K= (f/w*H²O)/t
Es lebe die Physik!
2007/11/04
2007/09/03
Patenkind
Ein neues Hobby beschäftigt mich seit einem halben Jahr allabendlich. Seit zwei Monaten übernehme ich sogar echte Verantwortung: Leopold. Leopold ist ein bunter Mix aus Dogge, Mastif und diversen Terriern. Er wiegt 35kg, ist blau/grau oder auch hell-schwarz, hat einen enorm großen Kopf und weiße Flecken auf Pfoten und Brust. Er sabbert, buddelt und grunzt – wie es sich für einen echten Hund gehört. Außerdem braucht er dringend ein zu Hause. Darum nehme ich die Gelegenheit beim Schopfe und stelle ihn euch vor:
Leopold wurde im April 2004 geboren und ist alters-entsprechend verspielt. Besonders bei der Begrüßung ist er sehr stürmisch, kann sich aber schnell wieder beruhigen. Er mag Kinder sehr gerne, da er bereits mit 4 – 8-jährigen zusammengelebt habt. Er kann auch wieder in einen Haushalt mit standfesten Kindern vermittelt werden.
Da er in seiner ersten Familie Zweithund war ist er sehr gut sozialisiert. Er geht auf jeden Hund freundlich zu, merkt aber auch früh, wenn dieser kein Interesse hat mit ihm zu spielen. Selbst wenn er wild angebellt wird behält er meist die Nerven und geht desinteressiert vorbei.
Pubertär wie er ist kann er es aber gar nicht aushalten, wenn ihm ein anderer Hund zu blöd kommt. Dann dreht er schon mal auf. Das 35kg-Muskelpaket dann wegzubringen kostet so manchen Kraftakt.
Das Leben in allen Situationen mit Ruhe anzugehen muss Leopold noch lernen. Zumeist ist er zwar ganz cool, zeigt wie großartig er an der Leine gehen kann und wie toll er sitzt, aber in einigen Situationen verliert er jegliche Coolness. Wasser und wildes Getier sind seine größten Leidenschaften und zugleich sein Problem.
Leopold ist begeisterter Schwimmer und Matsch-Wühler. Keine Pfütze, kein Bach und kein Fluss sind vor ihm sicher. Wehe er darf nicht in den nahen Fluss – dann verliert er jegliche Leinenmanier und spielt lieber Tauziehen. Am anderen Ende der Leine darf man dann nur nicht nachgeben.
Sein zweites Hobby ist das Jagen. Wenn seine Nase erst etwas Wildes gewittert hat, dann kommt Leopold auf Hochtouren. Dann wird gebuddelt und gescharrt, bis er sich einbildet er sei ein Jack-Russel-Terrier: „Meine Nase passt in das Mauseloch, wenn ich nur genug drücke.“
Als Leopolds neue Familie sollte man ihm beibringen in allen Situationen Ruhe zu bewahren. Außerdem sollte man den gutmütigen, aber sehr starken Jungspunt nicht unterschätzen: Wenn er etwas will setzt er seine ganze Kraft dazu ein, was am anderen Ende der Leine schon mal schweißtreibend werden kann.
Ein neues Hobby beschäftigt mich seit einem halben Jahr allabendlich. Seit zwei Monaten übernehme ich sogar echte Verantwortung: Leopold. Leopold ist ein bunter Mix aus Dogge, Mastif und diversen Terriern. Er wiegt 35kg, ist blau/grau oder auch hell-schwarz, hat einen enorm großen Kopf und weiße Flecken auf Pfoten und Brust. Er sabbert, buddelt und grunzt – wie es sich für einen echten Hund gehört. Außerdem braucht er dringend ein zu Hause. Darum nehme ich die Gelegenheit beim Schopfe und stelle ihn euch vor:
Leopold wurde im April 2004 geboren und ist alters-entsprechend verspielt. Besonders bei der Begrüßung ist er sehr stürmisch, kann sich aber schnell wieder beruhigen. Er mag Kinder sehr gerne, da er bereits mit 4 – 8-jährigen zusammengelebt habt. Er kann auch wieder in einen Haushalt mit standfesten Kindern vermittelt werden.
Da er in seiner ersten Familie Zweithund war ist er sehr gut sozialisiert. Er geht auf jeden Hund freundlich zu, merkt aber auch früh, wenn dieser kein Interesse hat mit ihm zu spielen. Selbst wenn er wild angebellt wird behält er meist die Nerven und geht desinteressiert vorbei.
Pubertär wie er ist kann er es aber gar nicht aushalten, wenn ihm ein anderer Hund zu blöd kommt. Dann dreht er schon mal auf. Das 35kg-Muskelpaket dann wegzubringen kostet so manchen Kraftakt.
Das Leben in allen Situationen mit Ruhe anzugehen muss Leopold noch lernen. Zumeist ist er zwar ganz cool, zeigt wie großartig er an der Leine gehen kann und wie toll er sitzt, aber in einigen Situationen verliert er jegliche Coolness. Wasser und wildes Getier sind seine größten Leidenschaften und zugleich sein Problem.
Leopold ist begeisterter Schwimmer und Matsch-Wühler. Keine Pfütze, kein Bach und kein Fluss sind vor ihm sicher. Wehe er darf nicht in den nahen Fluss – dann verliert er jegliche Leinenmanier und spielt lieber Tauziehen. Am anderen Ende der Leine darf man dann nur nicht nachgeben.
Sein zweites Hobby ist das Jagen. Wenn seine Nase erst etwas Wildes gewittert hat, dann kommt Leopold auf Hochtouren. Dann wird gebuddelt und gescharrt, bis er sich einbildet er sei ein Jack-Russel-Terrier: „Meine Nase passt in das Mauseloch, wenn ich nur genug drücke.“
Als Leopolds neue Familie sollte man ihm beibringen in allen Situationen Ruhe zu bewahren. Außerdem sollte man den gutmütigen, aber sehr starken Jungspunt nicht unterschätzen: Wenn er etwas will setzt er seine ganze Kraft dazu ein, was am anderen Ende der Leine schon mal schweißtreibend werden kann.
2007/03/18
Einmal nach Grevenbruch bitte
Die meisten Verbraucher haben bereits Kontakt mit nervtötenden Telefonhotlines gemacht. Wenn man Sprüche, wie „sie werden so bald wir möglich mit einem freien Service-Mitarbeiter verbunden“ zum sechsten Mal hört und das ganze auch noch 1,03 Euro in der Minute kostet, dann kann man schon mal wahnsinnig werden.
Das neue RTL-Format V-die Verbrauchershow hat im Sonntag-Vorabend-Programm Service-Hotlines getestet. Dirk Bach trat den Live-Versuch in der Show an und rief die Bahn-Hotline an. Die übliche Service-Computer-Stimme meldete sich zu Wort und bat um die Nennung des Start- und Zielbahnhofs. Bach gab Essen und Grevenbruch an.
„Leider habe ich Sie nicht verstanden“ war die vorgefertigte Antwort der Computerstimme. Das Format hat eigentlich einen objektiven Anspruch. Inhalt der Sendung sollen „Spannende Produkttests, unterhaltsame Studioaktionen, praktische Geldspar-Tipps, unglaubliche Berichte über Alltagsärger und Behördenirrsinn“ sein.
Stattdessen wird die Qualität der Sendung in ein peinliches Licht gerückt. Das die Bahn-Hotline Grevenbruch nicht erkennt liegt nämlich nicht an der schlechter Technik, sondern daran, dass es Grevenbruch leider nicht gibt.
Sowohl peinlich für das neue RTL-Format, als auch für Herrn Bach. Die Frage ist nur, wollte man uns absichtlich nach Grevenbruch schicken, oder aus journalistischer Schlampigkeit? Aus meiner Sicht wieder einmal ein Beispiel für Qualität unserer Privat-Sender.
Die meisten Verbraucher haben bereits Kontakt mit nervtötenden Telefonhotlines gemacht. Wenn man Sprüche, wie „sie werden so bald wir möglich mit einem freien Service-Mitarbeiter verbunden“ zum sechsten Mal hört und das ganze auch noch 1,03 Euro in der Minute kostet, dann kann man schon mal wahnsinnig werden.
Das neue RTL-Format V-die Verbrauchershow hat im Sonntag-Vorabend-Programm Service-Hotlines getestet. Dirk Bach trat den Live-Versuch in der Show an und rief die Bahn-Hotline an. Die übliche Service-Computer-Stimme meldete sich zu Wort und bat um die Nennung des Start- und Zielbahnhofs. Bach gab Essen und Grevenbruch an.
„Leider habe ich Sie nicht verstanden“ war die vorgefertigte Antwort der Computerstimme. Das Format hat eigentlich einen objektiven Anspruch. Inhalt der Sendung sollen „Spannende Produkttests, unterhaltsame Studioaktionen, praktische Geldspar-Tipps, unglaubliche Berichte über Alltagsärger und Behördenirrsinn“ sein.
Stattdessen wird die Qualität der Sendung in ein peinliches Licht gerückt. Das die Bahn-Hotline Grevenbruch nicht erkennt liegt nämlich nicht an der schlechter Technik, sondern daran, dass es Grevenbruch leider nicht gibt.
Sowohl peinlich für das neue RTL-Format, als auch für Herrn Bach. Die Frage ist nur, wollte man uns absichtlich nach Grevenbruch schicken, oder aus journalistischer Schlampigkeit? Aus meiner Sicht wieder einmal ein Beispiel für Qualität unserer Privat-Sender.
2007/01/23
Bewerbungssprint
Entscheidungen sind manchmal sehr leicht zu treffen. Trotzdem können sie manchmal Fragen aufwerfen, von denen wir nicht begeistert sind.
Die Baustelle vor mit sieht jetzt schon futuristisch aus. Ein V-förmiges Monster aus Beton ragt vor mir auf. Daneben ein überdimensionales Stahlgerüst, das spätestens 2008 verglast sein wird.
Die Baustelle vor mir schreit nach Zukunft – schreit nach Fortschritt – ruft Ruhm und Reichtum in die Welt hinaus. Mich lässt das kalt.
Auf dem Gebäude hinter der Baustelle ragt das riesige Firmenzeichen heraus. Ein majestätisch aufgebäumtes Pferd symbolisiert (PS-)Stärke und Eleganz. Ich kehre ihm den Rücken und gehe meinen Weg.
Zwei Stunden zuvor: Mein Zug hat eine dreiviertel Stunde Verspätung. Das bedeutet, ich habe nur noch knapp eine halbe Stunde um die richtige S-Bahn zu finden, das richtige Ticket dafür zu kaufen und das richtige Gebäude zu finden.
Ich werde nervös. Ein sehr ungewohnter Zustand, denn nervös war ich nicht mehr vor meiner Physik-Abiklausur. Damals wusste ich aber auch, dass es entweder in die Hose oder richtig in die Hose gehen kann.
Heute bin ich mir sicher. Heute geht nichts in die Hose, heute wird alles gut laufen, heute wird mir meine Zukunft eröffnet. Und es läuft gut. Auf dem richtigen Weg zu richtigen S-Bahn begegnet mir ein sehr einfach zu bedienender Ticket-Automat (Danke Stuttgarter S-Bahn-Betriebe und liebe Frankfurter: nehmt euch ein Beispiel).
Einfach zu bedienen ist auch das Wegeleitsystem im Stuttgarter Bahnhof. Meine Bahn kommt zwei Minuten, nachdem ich auf dem Bahnsteig angekommen bin. Nach zehn Minuten Fahrt stehe ich vor einer Baustelle, die einmal ein monumentales, rustikales und beeindruckendes Bauwerk werden wird.
Nach anfänglicher Orientierungslosigkeit finde ich die Pforte von Werk 1 genau zur richtigen Zeit. Ich fülle den Besucherausweis aus und warte kurz auf die Leiterin der Abteilung. Eine schicke Dame etwas über 50, die schwungvoll die marmorne Treppe hinunter kommt.
In einem kleinen Konferenzraum stellt sie mich ihrer Kollegin vor. Die Kollegin wiederum stellt mir einige Erzeugnisse der Abteilung vor. Nichts Besonderes – ganz übliche Werkzeuge zur internen Kommunikation und ganz gewöhnliche Bestandteile des Marketings.
Die Leiterin stellt mir ihre Abteilung anhand eines Organigramms vor. Ein Teil für Sport, einer für Technik, das Archiv, internationales. Schließlich auch noch die Abteilung für Veranstaltungen. Das meine Qualifikationen und Interessen in diese Abteilung gehören wird schnell klar. Das diese Abteilung Chancen für mich offen hält, die ich nutzen sollte auch.
Natürlich ist es manchmal möglich mit auf die Veranstaltung zu fahren. Vor Ort aktiv zu sein. Meistens in Spanien oder Portugal – das ist besser vom Wetter her – für die Fotografen. In diesem Bereich gibt es viele Kompetenzen – auch für die Praktikanten. Sie wären für diese Stelle sehr geeignet.
Alles klingt nach Sonnenschein. Auf meinen Vorwurf, dass Praktikanten in großen Unternehmen immer die Standart-Arbeiten übernehmen müssen wird geschickt gekontert. Schließlich wächst das Unternehmen zurzeit und damit auch die Aufgaben.
Ich frage schon, wo ich denn so schnell eine Wohnung herbekomme – der 12. Februar ist schließlich schon sehr nah – da wendet sich das Blatt noch mal. Die – demnächst – ehemalige Praktikantin wird mir vorgestellt, die derzeit meine Stelle inne hält. Ich bitte um ein Gespräch unter vier Augen und bekomme es auch.
Leider wirst du nicht auf Veranstaltungen mitfahren können. Eigentlich sollte das hier eine Vollzeit-Stelle werden. Aber ich glaube, dass es einfach niemanden gibt, der so etwas in Vollzeit machen würde außer einem Praktikanten. Deine Aufgabe wird sein Checklisten abzuhacken und nach Hotels zu suchen.
Schnell bin ich wieder auf dem Boden der Tatsachen. Es ist so, wie ich es fast erwartet hatte. Die Praktikanten sind hier die Praktikanten und werden klein gehalten. Eigentlich darf man gar nichts. Offiziell noch nicht mal mit den Mitarbeitern zu Mittag essen.
Essen organisieren darf man auch nicht. Nur abhaken ob alles da ist. Es ist langweilig, einseitig und eine sehr geordnete Geschäftsordnung hängt über allem. Mit einem Wort: Überhaupt nichts für mich. Bauch und Kopf sind sich sehr einig an dieser Stelle.
An anderer Stelle schwirrt mir eine Frage durch den Kopf. Ich sitze im Zug: Bin ich zu anspruchsvoll? Es gibt Menschen, die legen einen ganzen Bewerbungsmarathon hin und bekommen gar keine Stelle. Ich mache das im Sprint und sage jetzt schon die zweite Stelle ab.
Da solchen negativen Gedanken nichts für mich sind stelle ich schnell fest, dass ich nicht zu anspruchsvoll bin. Stattdessen drehe ich den Spieß um. Leider macht mir dieser Gedanken viel mehr Angst: Gibt es überhaupt einen Job, der mich glücklich macht?
Entscheidungen sind manchmal sehr leicht zu treffen. Trotzdem können sie manchmal Fragen aufwerfen, von denen wir nicht begeistert sind.
Die Baustelle vor mit sieht jetzt schon futuristisch aus. Ein V-förmiges Monster aus Beton ragt vor mir auf. Daneben ein überdimensionales Stahlgerüst, das spätestens 2008 verglast sein wird.
Die Baustelle vor mir schreit nach Zukunft – schreit nach Fortschritt – ruft Ruhm und Reichtum in die Welt hinaus. Mich lässt das kalt.
Auf dem Gebäude hinter der Baustelle ragt das riesige Firmenzeichen heraus. Ein majestätisch aufgebäumtes Pferd symbolisiert (PS-)Stärke und Eleganz. Ich kehre ihm den Rücken und gehe meinen Weg.
Zwei Stunden zuvor: Mein Zug hat eine dreiviertel Stunde Verspätung. Das bedeutet, ich habe nur noch knapp eine halbe Stunde um die richtige S-Bahn zu finden, das richtige Ticket dafür zu kaufen und das richtige Gebäude zu finden.
Ich werde nervös. Ein sehr ungewohnter Zustand, denn nervös war ich nicht mehr vor meiner Physik-Abiklausur. Damals wusste ich aber auch, dass es entweder in die Hose oder richtig in die Hose gehen kann.
Heute bin ich mir sicher. Heute geht nichts in die Hose, heute wird alles gut laufen, heute wird mir meine Zukunft eröffnet. Und es läuft gut. Auf dem richtigen Weg zu richtigen S-Bahn begegnet mir ein sehr einfach zu bedienender Ticket-Automat (Danke Stuttgarter S-Bahn-Betriebe und liebe Frankfurter: nehmt euch ein Beispiel).
Einfach zu bedienen ist auch das Wegeleitsystem im Stuttgarter Bahnhof. Meine Bahn kommt zwei Minuten, nachdem ich auf dem Bahnsteig angekommen bin. Nach zehn Minuten Fahrt stehe ich vor einer Baustelle, die einmal ein monumentales, rustikales und beeindruckendes Bauwerk werden wird.
Nach anfänglicher Orientierungslosigkeit finde ich die Pforte von Werk 1 genau zur richtigen Zeit. Ich fülle den Besucherausweis aus und warte kurz auf die Leiterin der Abteilung. Eine schicke Dame etwas über 50, die schwungvoll die marmorne Treppe hinunter kommt.
In einem kleinen Konferenzraum stellt sie mich ihrer Kollegin vor. Die Kollegin wiederum stellt mir einige Erzeugnisse der Abteilung vor. Nichts Besonderes – ganz übliche Werkzeuge zur internen Kommunikation und ganz gewöhnliche Bestandteile des Marketings.
Die Leiterin stellt mir ihre Abteilung anhand eines Organigramms vor. Ein Teil für Sport, einer für Technik, das Archiv, internationales. Schließlich auch noch die Abteilung für Veranstaltungen. Das meine Qualifikationen und Interessen in diese Abteilung gehören wird schnell klar. Das diese Abteilung Chancen für mich offen hält, die ich nutzen sollte auch.
Natürlich ist es manchmal möglich mit auf die Veranstaltung zu fahren. Vor Ort aktiv zu sein. Meistens in Spanien oder Portugal – das ist besser vom Wetter her – für die Fotografen. In diesem Bereich gibt es viele Kompetenzen – auch für die Praktikanten. Sie wären für diese Stelle sehr geeignet.
Alles klingt nach Sonnenschein. Auf meinen Vorwurf, dass Praktikanten in großen Unternehmen immer die Standart-Arbeiten übernehmen müssen wird geschickt gekontert. Schließlich wächst das Unternehmen zurzeit und damit auch die Aufgaben.
Ich frage schon, wo ich denn so schnell eine Wohnung herbekomme – der 12. Februar ist schließlich schon sehr nah – da wendet sich das Blatt noch mal. Die – demnächst – ehemalige Praktikantin wird mir vorgestellt, die derzeit meine Stelle inne hält. Ich bitte um ein Gespräch unter vier Augen und bekomme es auch.
Leider wirst du nicht auf Veranstaltungen mitfahren können. Eigentlich sollte das hier eine Vollzeit-Stelle werden. Aber ich glaube, dass es einfach niemanden gibt, der so etwas in Vollzeit machen würde außer einem Praktikanten. Deine Aufgabe wird sein Checklisten abzuhacken und nach Hotels zu suchen.
Schnell bin ich wieder auf dem Boden der Tatsachen. Es ist so, wie ich es fast erwartet hatte. Die Praktikanten sind hier die Praktikanten und werden klein gehalten. Eigentlich darf man gar nichts. Offiziell noch nicht mal mit den Mitarbeitern zu Mittag essen.
Essen organisieren darf man auch nicht. Nur abhaken ob alles da ist. Es ist langweilig, einseitig und eine sehr geordnete Geschäftsordnung hängt über allem. Mit einem Wort: Überhaupt nichts für mich. Bauch und Kopf sind sich sehr einig an dieser Stelle.
An anderer Stelle schwirrt mir eine Frage durch den Kopf. Ich sitze im Zug: Bin ich zu anspruchsvoll? Es gibt Menschen, die legen einen ganzen Bewerbungsmarathon hin und bekommen gar keine Stelle. Ich mache das im Sprint und sage jetzt schon die zweite Stelle ab.
Da solchen negativen Gedanken nichts für mich sind stelle ich schnell fest, dass ich nicht zu anspruchsvoll bin. Stattdessen drehe ich den Spieß um. Leider macht mir dieser Gedanken viel mehr Angst: Gibt es überhaupt einen Job, der mich glücklich macht?
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