2009/03/04
Seit Samstag bin ich jetzt in Wolfsburg und bisher fühle ich mich auch sehr wohl. Von meinem Büro sehe ich direkt auf den Mittellandkanal, der eine direkte Verbindung ins Rheinland darstellt und dessen Wasser in der Sonne genau so schimmert, wie Rheinwasser.
Der Himmel ist auch der gleiche und die Sonne scheint. Heute spielt der VfL und ich stelle mir vor ich hätte eine rot –grün-Schwäche. So sehen die Wolfsburger gleich wie Köln Fans aus.
Das einzige ernsthaft Gewöhnungsbedürftige ist, dass ich kein Auto habe. Das machte sich gestern beim Einkaufen wahnsinnig bemerkbar. Während ich ja sonst eher verträumt durch die Regale schlender und einpacke was ich schön finde, musste ich jetzt bei jeden Teil überlegen: Brauch ich das? – Klar! Passt es noch ins Gepäck? – Nein! ...verdammt… Mit dem KA würde ich hier allerdins sehr auffallen - einen Ford habe ich bisher noch gar nicht gesehen.
Bis auf das flache Land, das einen sehr weiten Blick über Felder, Wiesen und Felder erlaubt, hab ich noch nicht bemerkt, dass ich im Norden bin. Die Leute sind alle sehr nett – nicht sonderlich nordisch. Meine Mitbewohner sind auch toll. Christiane hat schon ein Date für uns zwei morgen mit einer echten Wolfsburgerin klar gemacht.
Das Ergebnis dieses kulturellen Zusammenstoßes werde ich natürlich berichten!
Ich wollte gerade Fotos von der Wohnung machen, aber mein Kamera-Akku sagt, er sei grad müd und will nicht. Also müsst ihr noch etwas warten bis ihr den Anblick meiner außerordentlich gelben Zimmerwände genießen könnt.
PS: So richtig erwachsen spielen muss ich hier noch gar nicht: Meine Vermieterin putzt Bad+Küche und meine Arbeitsklamotten (die Einkleidung werde ich natürlich noch schriftlich und bildlich fest halten) werden von der Reinigung gewaschen. ;)
2009/02/25
Leichtes Gepäck bedeutet viel zurück lassen
Vor einem Jahr stand meine Reise in die USA kurz bevor. Das vorgeschriebene maximale Gepäck war mit 2 * 20kg knapp bemessen. Ich nahm noch weniger mit. Keine 30kg insgesamt. Damals hatte ich keine Angst. Ich fühlte mich leicht.
In wenigen Tagen breche ich nach Wolfsburg auf. Mein Gepäck wird wieder spärlich, doch ich fühle mich schwer, sperrig, unbeweglich. Es fühlt sich an, als hätte ich eine Kugel an meinem Fuß, die mich nicht voran kommen lässt. Und ich habe Angst.
Für mich nicht gerade ein bekanntes Problem. Zudem ist es irgendwie lächerlich. Lächerliche 400 Kilometer zwischen mir und Bonn – zur nächsten Ausheulstation nach Berlin zu Nicole sind es sogar nur 230 Kilometer.
Es ist auch nicht die Entfernung, die mir Angst macht. Oder die neue Arbeit. Ich habe auch keine Angst niemanden kennen zu lernen. Das Problem ist viel mehr: Selber Waschen heißt erwachsen sein. Das macht mir Angst.
Klingt jetzt auch lächerlich. Alles was man zum erwachsen sein braucht kann ich im Grunde schon: Kochen um nicht zu verhungern, Verantwortung in Job und Privatleben übernehmen, Auto fahren. Aber trotzdem ist da immer diese Rückzugsstätte Kinderzimmer.
In dem man bis 12 Uhr schlafen kann, während alle anderen arbeiten. Mit dem Schreibtisch auf dem sich Rechnungen, Klamotten und DVDs stapeln. Mit dem Bücherregal in dem schamlos Harry Potter und Märchenbücher stehen und der Kiste mit den Kuscheltieren unter dem Bett.
All diese Dinge, die einen daran erinnern, wie wenig Sorgen man sich einst über die Problemchen des Lebens gemacht hat. Es ist zu schwer um es mitzunehmen, auch wenn es noch schwerer ist es zurück zu lassen.
Die drei Monate Praktikum werden zwar nur eine Übungsphase, aber eben diese macht den Verlust klar.
2009/02/10
I'm an angel, I'm a devil
I am sometimes in between
I'm as bad it can get
And good as it can be
Sometimes I'm a million colors
Sometimes I'm black and white
I am all extremes
Try figure me out you never can
There's so many things I am
I am special
I am beautiful
I am wonderful
And powerful
Unstoppable
Sometimes I'm miserable
Sometimes I'm pitiful
But that's so typical of all the things I am
I'm someone filled with self-belief
And haunted by self-doubt
I've got all the answers
I've got nothing figured out
I like to be by myself
I hate to be alone
I'm up and I am down
But that's part of the thrill
Part of the plan
Part of all of the things I am
I am special
I am beautiful
I am wonderful
And powerful
Unstoppable
Sometimes I'm miserable
Sometimes I'm pitiful
But that's so typical of all the things I am
I'm a million contradictions
Sometimes I make no sense
Sometimes I'm perfect
Sometimes I'm a mess
Sometimes I'm not sure who I am
I am special
I am beautiful
I am wonderful
And powerful
Unstoppable
Sometimes I'm miserable
Sometimes I'm pitiful
But that's so typical of all the things I am
I am special
I am beautiful
I am wonderful
And powerful
Unstoppable
Sometimes I'm miserable
Sometimes I'm pitiful
But that's so typical of all the things I am
Of all the things I am
Sometimes I'm miserable
Sometimes I'm pitiful
But that's so typical of all the things I am
Of all the things I am
2009/01/22
Eigentlich sollte es am Dienstag direkt nach Hamburg gehen. Nachdem ich dann Montag einen Anruf aus der Autostadt erhielt führte der Weg Dienstag doch noch über Wolfsburg. Wie viel Gold frühes Aufstehen bringt, bewies die Zugfahrt.
Es ist 4.15 als mein Taxi am Carpe vorbeifährt. Ich sehe einige bekannte Gesichter. Mein Tag hat vor knapp einer Stunde angefangen, deren noch nicht geendet. Vom Bonner Hauptbahnhof bringt ein RE mich nach Köln. Da gibt es erst mal Frühstück und Kaffee.
Es ist fast sechs Uhr als der ICE den Kölner Hauptbahnhof Richtung Berlin Ostbahnhof verlässt. Es ist leer im Zug. Da der letzte Woche sehr voll war, habe ich einen Platz reserviert. Scheinbar schreckt die Uhrzeit aber viele vor diesem ICE ab.
Wir sind bereits einige Stationen gefahren, als sich jemand an den Tisch zu mir setzt. Er beginnt zu telefonieren. Hinter mir ist jemand ganz und gar nicht begeistert davon „Wir haben 6.30 Uhr – ein bisschen leiser bitte!“
Nach seinem Telefonat greift er zum Laptop und beginnt zu schreiben. Meine Vermutung erhärtet sich, ich spreche ihn an „Was arbeiten Sie?“ „Ich bin Journalist.“ Meine Vermutung lag wohl ganz richtig.
Wir unterhalten uns. Über Journalisten „die können eh alle nix“, über das Gemeinwohl „du musst ihm dienen, kannst es aber nicht“ und über mein fehlendes Schreibtalent. „Tja, könntest du schreiben, hätte ich einen Job für dich gehabt.“ Ich muss lachen. Die Szene hat etwas von einem Déjà-vu.
Der Journalist ist Westfahle – und zwar ein ganz typischer. „Es ist schön, dass Sie keinen Schlaganfall haben können – Sie haben ja kein Gehirn.“ Er googelt mich mit seinem Laptop und stellt gleich mal einen Rechtschreibfehler in meinem Xing Profil fest – den Job kann ich wohl wirklich vergessen....
„Das mit dem AStA solltest du raus nehmen – das klingt so links. Und das Bild – warum ist das schräg? Das ist so Mainstream.“ Auf der anderen Seite des Ganges sitzt ein frisch promovierter Mathematiker. Er klinkt sich in das Gespräch ein. „Sie müssen seine Komplimente mit n-1 multiplizieren, dann wissen Sie was er eigentlich sagen will.“
Bevor der Zug in Wolfsburg einfährt erkläre ich dem Mathematiker wie er mich im Studivz findet. Beide wünschen mir viel Erfolg für das Vorstellungsgespräch. Da der Journalist demnächst eine Stelle in der Unternehmenskommunikation antritt, verspreche ich ihm meine Bewerbungsunterlagen für September zukommen zu lassen.
Mein Gespräch in Wolfsburg verläuft sehr gut. Die Kollegin aus der Kreativdirektion erläutert mir meine Aufgaben und Möglichkeiten. Wir verstehen uns auf Anhieb sehr gut. Nach dem Gespräch bekomme ich leider noch kein direktes Feedback. Trotzdem rufe ich die Vermieterin an mit der ich zuvor schon mal Kontakt hatte und sage, dass ich die Wohnung gerne zum 01. März beziehen würde.
Keine halbe Stunde später bekomme ich dann auch den Anruf mit der Zusage. Im Zug nach Hamburg schlafe ich erst mal ein. Es ist drei Uhr – ich bin jetzt zwölf Stunden wach, nach knapp drei Stunden Schlaf – ich bin fix und fertig.
Micha holt mich vom Bahnhof ab. Es gibt Calzone mit Spinatfüllung zum Abendessen. Bevor ich um neun ins Bett falle schaue ich noch mal ins StudiVz. Ich habe eine Nachricht:
„hallo jenni,
es war schon amüsant, dich heute morgen im zug schnattern zu hören. so bin ich trotz kurzen schlafs richtig wach geworden. danke schön dafür :-)
durch deine ausführlichen beschreibungen des gänsebergs bin ich neugierig geworden und stelle fest, du hast seit heute morgen dein profilbild geändert. das, was ich im zug auf dem rechner deines gegenübers gesehen habe, hat mir aber auch gefallen.
jetzt fragst du dich sicherlich, wer ist der blödmann, der mich da anschreibt? ich saß 2 reihen weiter vorne auf der anderen fensterseite. hoffe, du hast dein praktikum!“
Meine Mama hatte Recht – ich bin einfach viel zu laut…
